Neues  

   

Suche  

   

Aktuell sind 21 Gäste und keine Mitglieder online

Vor 30 Jahren begann der Sammler Jürgen Koch, sich mit dem Thema 'Feuer' zu beschäftigen. Zunächst befasste er sich mit den steinzeitlichen Methoden des Feuermachens. Er experimentierte mit Feuersteinen oder mit der Zunder-aufbereitung. Zugleich entstand zum Thema ?Feuer und Licht? eine umfangreiche Sammlung, die in der Ausstellung präsentiert wird. Die Ausstellungsstücke zeigen die Entwicklung der Beleuchtungsgeräte, bevor das elektrische Licht seinen Siegeszug antrat. Lange Zeit erhellten beispielsweise Kienspäne, Fackeln, öllampen und Kerzen die Winter und Nächte eher spärlich. Mehr Licht spendeten dann bis ins 20. Jahrhundert hinein Petroleumlampen. Daneben kamen Spiritus-, Benzin- und Karbidlampen in vielen Bereichen zum Einsatz.

Feuer kann durch Funken erzeugt werden, die man aus Feuerstein und Pyrit (Schwefelkies) oder Markasit (Eisenkies) schlägt. Die Funken bringen trockenes Material, den Zunder, zum Glimmen. Vermutlich in der Steinzeit entdeckte der Mensch beim Herstellen von Steinwerk-zeugen, dass durch Aneinanderschlagen von zwei Steinen Funken entstehen können. Das Feuermachen gelang ihm besser, als er herausfand, dass nur mit Feuerstein in Verbindung mit Pyrit die geeigneten ?warmen? Funken erzeugt werden konnten. Etwa um 800 v. Chr., zu Beginn der Eisen-zeit, kam der Feuerstahl oder das Schlag-eisen in Gebrauch. Durch das Aneinander-schlagen von Stahl gegen Feuerstein erhitzen sich die abspanenden Eisenteilchen bis zum Erglühen.

Durch Reibung entsteht Wärme. Dieses Prinzip liegt beim Feuermachen durch Reibung zwischen einem Hartholz- und einem Weichholzstück zugrunde. Der erforderliche Zunder in Form von Holzmehl entsteht von selbst durch den Abrieb vom Weichholz und fängt durch die Reibungshitze an zu glimmen. Um Feuer durch Reibung zu erzeugen, benötigt man ein Bohr- oder Reibeholz und ein Dreh- oder Sägeholz. Entweder wird ein Hartholzstöckchen auf einem Weichholzstück gedreht oder ein scharfkantiges Hartholzstück wird auf einem Stück Weichholz hin und her geschoben. In beiden Fällen ist die Schnelligkeit der Bewegung und der angewandte Druck ausschlaggebend für den Erfolg. Voraussetzung dafür ist ein Holz, das ?trocken ist wie Zunder?.

Um aus den Funken eine Glut zu erzeugen, musste Zunder eingesetzt werden. Alles gut entzündbare Material konnte Zunder sein. Echter Zunderschwamm wächst an Birken und Buchen. Aus dem Baumpilz wird die Zunderschicht ausgelöst und getrocknet. Als Zunder verwendete man außerdem auch Rohrkolbensamen, Distelwolle, trockenes Moos, Heu oder verkohlten Leinenstoff. Ein Fidibus erleichterte das Entfachen von Feuer. Dafür wurde z. B. getrocknete Birkenhaut oder Papier benutzt, aber auch Schwefelschnur oder Schwefelhölzer. Letztere waren mit gelbem Schwefel bedeckt. Der Schwefel fing am glimmenden Zunder leicht Feuer und entzündete den Fidibus. Mit ihm konnte man z. B. ein Herdfeuer anzünden. Zunder, Feuerstein, Schlageisen und Fidibus lagen griffbereit in der ?Zunderbüchse?.

Kienspäne und Fackeln sind die ältesten Licht-spender überhaupt. In manchen Regionen waren sie bis um 1900 einzige Beleuchtung. Der Kienspan brennt heller und länger als ein einfacher Ast. Er wurde aus dem Stamm der harzhaltigen Kiefer (Kienbaum) gewonnen. Auf die gewünschte Größe geschnitten und getrocknet, brannte der am Herdfeuer entzündete Span meist an einem Halter ab. Fackeln waren zunächst in Pech getauchte Holzscheite. Später tränkte man gebündelte Späne oder zusammengedrehte Pflanzenfasern in Harz, Wachs oder Pech. Schon 2000 v. Chr. waren Fackeln in ägypten bekannt. Im Mittelalter wurden sie im Freien oder als transportable Beleuchtung benutzt. Leider qualmen Fackeln stark und verbreiten einen unangenehmen Geruch. Große Feuers-gefahr ging von ihrem Funkenflug aus.

Um 1850 entdeckte man Erdöl in den USA und stellte fest, dass sich daraus der Brenn-stoff ?Petroleum&quot gewinnen ließ. Petroleumlicht wurde sehr geschätzt. Es war hell, zudem geruchs- und raucharm. Nachteilig blieb allerdings die erhöhte Feuergefahr bei unsachgemäßem Umgang. Die neuen Lampen gab es als Wand-, Steh-und Deckenlampe, auch mit Blendschirm. Metalllaternen mit Sicherheitsgittern erhellten Ställe und Werkstätten. Daneben kamen sie für Fahrzeuge aller Art vom Fahrrad bis zur Eisenbahn zum Einsatz. In Deutschland kam es während des Ersten Weltkriegs zu Engpässen in der Petroleum-versorgung. Die Verwendung dieser Lampen nahm ab. Danach beschleunigte die Versor-gung mit elektrischem Strom den Rückgang des Petroleums.

Um 1850 kamen Lampen zum Einsatz, die mit feuergefährlichen und flüchtigen Brennstoffen wie Spiritus und Benzin betrieben wurden. Damit keine Luft an das Benzin gelangte, hatten Benzinlampen einen Rundvolldocht in einer engen Hülse. Der Docht durfte nur ganz wenig aus dem Brennerrohr schauen. Bei Nichtgebrauch wurde er mit einem Deckel verschlossen, um das Verdunsten des Benzins zu verhindern. Benzin- und Spirituslampen waren meist nur Handlampen und Laternen. Ein besonderes Gaslicht ist das Acetylen- oder Karbidlicht. 1862 stellte der deutsche Chemiker Friedrich Wohler aus Kalk und Kohle Calciumcarbid her. Lässt man darauf Wasser tropfen, entwickelt sich Acetylengas, das mit heißer, heller Flamme brennt. Dieses Licht diente vor allem im Bergbau als Grubenlicht und bis um 1930 Fahrrädern, Motorrädern und Automobilen. Karbidgas war feuergefährlich und führte immer wieder zu Explosionen.

Pflanzliches öl oder tierisches Fett lieferte schon in der Antike den Brennstoff für eine der ältesten Lichtquellen, das öllicht. Es dauerte jedoch Jahrhunderte, bis Erfinder ölversorgung, Docht oder Brennleistung verbesserten. Cardanus (1505-1576) erfand eine öllampe, die öl aus einem Behälter in die Dochtrinne laufen ließ, um ein konstantes ölniveau zu erzeugen. Nachteile der öllampe blieben eine schwache Lichtqualität, Qualm, Ruß und der strenge Geruch. Abhilfe verschaffte die Erfindung des Runddochts. Eine bessere Verbrennung gewährleistete die Erfindung von Argaud (1750-1803), der einen röhrenförmigen Docht benützte und darüber einen Glaszylinder steckte. Die Kaminwirkung saugt Luft an die Flamme, schützt vor Zugluft und verringert die Feuergefahr.

Für Handwerk und Gewerbe war das Feuer in der Vergangenheit ein wichtiges Instrument. Es lieferte die Energie zur Herstellung ihrer Produkte oder Dienstleistungen. Büttner, Wagner oder Schmiede benötigten es, um ihre Produkte herstellen zu können. Bader heizten Wasser für ihre Badestuben. Bäcker Köche, Töpfer und Seifensieder hantierten damit. Der tägliche Umgang mit offenem Feuer war gefährlich für eine mittelalterliche Stadt wie Nördlingen, mit engen Gassen und meist aus Holz gebauten Gebäuden. Urkundlich belegt ist ein großer Stadtbrand 1238, der alles bis auf sagenhafte 16 Häuser zerstörte. Aufgrund des großen Schadens wurde die Stadt für fünf Jahre von der Reichssteuer befreit. Ab 1439 bis ins 19. Jahrhundert sind sog. ?Tumult- und Feuerlöschordnungen? bekannt. Sie halfen Brände zu verhüten und regelten im Ernstfall ihre Bekämpfung.

Das Feuer als eines der vier Elemente besitzt nützende und schädigende Kraft. Es wärmt, gart Speisen und bringt Helligkeit, zerstört aber auch Haus und Hof. Diese doppelte Bedeutung mündete in der Vorstellung vom irdischen und himmlischen Feuer. Das Feuer der Hölle steht für immerwährende Buße durch Qual. Dagegen wird das Fegefeuer im christlichen Glauben zum Inbegriff des reinigenden Feuers, das Erlösung bedeutet. In Sebastian Taigs Darstellung des sog. ?Hostienwunders von St. Salvator? (1518) wird die Ambivalenz des Elements ?Feuer? deutlich. Ein zerstörerischer Brand bringt das Haus, in dem ein Kranker liegt, zum Einsturz. In diesem höllischen Inferno erscheint völlig unversehrt - gleichsam auferstanden - die Hostie, die dem Kranken gereicht werden sollte.

Die Naturgewalt Feuer findet auch als reinigendes Element Anwendung in der Strafgerichtsbarkeit. Frauen wie Männer fanden wegen Giftmischerei, Hexerei, Falschmünzerei, Ketzerei, Sodomie oder Brandstiftung den Tod auf dem Scheiter-haufen. Menschen, die gegen die religiös-sittliche Ordnung verstießen, wurden durch das Feuer vollständig verbrannt und damit ausgelöscht. Auch die Erinnerung an sie sollte gänzlich getilgt werden, um damit Gottes Zorn und Strafe von der Stadt abzuwenden. Vorausgehendes Zwicken mit glühenden Zangen konnte eine Strafe verschärfen. Glühende Eisen brandmarkten Verurteilte lebenslang als ehrlose Verbrecher.

Brandbekämpfung war in Nördlingen wie überall jahrhundertelang behördliche Aufgabe. Feuer-Ordnungen regelten die Bauweise der Häuser zur Vorbeugung von Bränden. Sie schrieben den Alarmweg vor, ebenso das Verhalten während und nach einem Brand. Löschdienstpflichtige Bürger mit ihren eigenen Kübeln hatten im Ernstfall zu helfen. Lösch-wasserzufuhr und Koordination waren schlecht. Selbst die ersten Feuerlöschpumpen konnten die Situation mangels ausgebildeter und routinierter Helfer kaum verbessern. Sich häufende Großbrände brachten vielerorts Stadtbewohner dazu, Löschvereine zu gründen. Dadurch konnte die Brandbekämpfung von einer undisziplinierten und meist nur widerwillig arbeitenden Menschenmenge auf wenige arbeitsfreudige und selbstlose Männer verlagert werden.

Bei den ersten Gründungen freiwilliger Löschorganisationen standen vielfach Turnvereine Pate. Der nationalistische Turnergeist Friedrich Ludwig Jahns fasste das Turnen als Zucht, Selbstbezwingung und Unterordnung unter eine gemeinsame Sache auf. Auch in Nördlingen wollten 23 junge Männer mit ihren turnerischen Fähigkeiten die bereits bestehende ?Rettungskompagnie? unterstützen. Körperlich gut trainiert, konnten sie mit Leitern an Hausfassaden emporklettern und auf Dächer steigen. Sie ermöglichten so eine direkte und effektive Brandbekämpfung. Der am 16. Januar 1855 im Haus des Bäckers Daniel Weidner (Bergerstraße) gegründete Verein nannten sich zunächst ?Steigerrotte&quot. 1861 nahm er den Namen ?Freiwillige Turnerfeuerwehr? an. 1881 nannte er sich schließlich ?Freiwillige Feuerwehr Nördlingen?.

Ihre Leistungsfähigkeit bewiesen die Feuerwehrleute nicht nur im Brandfall. Die Vorführung schwindelerregender Manöver während öffentlicher übungen zog in der Regel viele Schaulustige an. Ihr turnerisches Können stellten sie bei auswärtigen Turnfesten unter Beweis. Zu vielen Großveranstaltungen stellte die Freiwillige Feuerwehr Feuerwachen ab. Mit Fahnenabordnungen und Fackelzügen gestaltete sie festliche Anlässe. Ihren Dienst am Nächsten stellte sie aber auch unter Beweis, indem sie während des deutsch-französischen Krieges 1870/71 viele hundert durchreisende Soldaten versorgte. Kranke und verwundete Soldaten wurden in Notlazaretten versorgt, Tote bestattet.

Die Rettung von Leben hat oberste Priorität während eines Einsatzes der Feuerwehr. Brandbekämpfung ist die zweite zentrale Aufgabe der freiwilligen Helfer. Zum Retten und Löschen gehört für die Feuerwehr auch heute noch die Bergung von Sachgütern. Die Arbeit der freiwilligen Helfer hat sich jedoch den Erfordernissen des modernen Lebens angepasst: Sie werden zu Autounfällen gerufen und legen Keller bei Hochwasser trocken. Die Feuerwehr schützt die Umwelt bei Chemieunfällen. Sie rettet manchmal sogar exotische Tiere und befreit den Menschen von gefährlichen Insekten. Mindestens genauso wichtig wie das Retten, Löschen und Bergen ist jedoch der Schutz, d. h. die aktive Aufklärung und Schulung zur Brandverhütung.

Helfen in der Not ist unser Gebot.

Nach diesem Leitspruch engagieren sich noch heute 78 aktive und 33 passive Mitglieder in der Freiwilligen Feuerwehr Nördlingen. In einer Jugendgruppe wird Nachwuchs ab 14 Jahren ausgebildet. Frauen gibt es in Nördlingen noch keine. Grundsätzlich ist das zwar möglich, doch hat sich bislang noch keine ernsthaft dafür interessiert... Die Nördlinger Feuerwehr arbeitet in zwei Löschzügen mit insgesamt neun Fahrzeugen und drei Anhängern mit Sonderausstattung. Die Feuerwehrleute sind Freiwillige. Sie bekommen für die oftmals gefährlichen Einsätze kein Geld. Zwar muss der Arbeit-geber sie dafür von der Arbeit freistellen, doch opfern sie viel Freizeit für Feuerwehr-Aus- und Weiterbildungen.

Feuer und Flamme

Am 13. März fand die Eröffnung für die aktuelle Ausstellung "Feuer & Flamme" statt.